Thüringer Lehrerforum eröffnet tlv Pressedienst zum Start des Thüringer Lehrerforums am 02. Mai 2006 tlv startet Thüringer Lehrerforum als Hilfsangebot für Thüringer Pädagogen "Was ist mit mir los?" Ein Beispiel aus dem Lehrerforum „Wer Qualität will, muss Lehrergesundheit fördern“ Direkt zum Thüringer Lehrerforum
 tlv Pressedienst zum Start des Thüringer Lehrerforums am 02. Mai 2006
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„Du Klaus, kann ich mal mit dir reden?“ „Klar, worum geht’s denn?“ „Ich glaube in meiner Klasse werden auch Gewaltvideos über das Handy ausgetauscht. Hast du nicht eine Idee, wie ich mich verhalten soll?“
Noch viel zu selten gehen Lehrerinnen und Lehrer mit solchen Fragen aufeinander zu. Zu häufig versucht jeder für sich allein, mit auftretenden Problemen fertig zu werden.
Aber in den seltensten Fällen gelingt es.
Deshalb sind die Ergebnisse der tlv Lehrergesundheitsumfrage nicht sehr verwunderlich. Sie machten deutlich, dass 64 Prozent aller Thüringer Lehrerinnen und Lehrer den Risikogruppen A und B zugeordnet werden. Gruppe A überfordert sich ständig selbst im verzweifelten Bemühen um Anerkennung - die sie doch nicht bekommen - und gefährdet damit ihre Gesundheit. Gruppe B zeigt Resignation und Hoffnungslosigkeit im Bezug auf Verbesserung ihrer Situation. Das Burn-Out Syndrom droht. Mit Recht fragt Rolf Busch, der tlv-Landesvorsitzende, wie denn da gute Schule möglich sein solle.
Vom 20. Februar bis 01. März 2006 veranstaltete der tlv thüringer lehrerverband seine Lehrergesundheitstage, um anhand von Vorträgen und Workshops allen Lehrerinnen und Lehrern verschieden Hilfen anzubieten, um den schulischen Problemen besser begegnen zu können. In der vergangenen Ausgabe wurde darüber ausführlich berichtet.
Am 02. Mai 2006 erfolgte nun der Startschuss für eine weitere Möglichkeit, besser miteinander ins Gespräch zu kommen, denn unter www.thueringer-lehrerforum.de finden Sie vielleicht schon eine Antwort auf Ihr Problem.
Sie werden nach der Registrierung im Forum feststellen, dass es oft Probleme sind, die andere Kollegen bzw. andere Schulen schon gelöst haben. Leider wissen weder die Fragesteller, noch die, denen eine Antwort einfallen würde, voneinander.
Umgekehrt gibt es an manchen Schulen erfolgreiche Initiativen, oder nützliche Informationen, die nicht nur in zufälligen Gesprächen sondern systematisch an interessierte Kollegen weitergegeben werden sollten.
Sollte Ihr Problem noch nicht besprochen worden sein, können Sie völlig anonym eine Anfrage zu stellen. Sie erhalten spätestens nach drei Tagen eine Antwort von einem fachlich versierten Berater. Die Ersten, die sich beratend an die Seite der Lehrerinnen und Lehrer stellten, waren Prof. Bernhard Sieland von der Universität Lüneburg und Gerhard Böttger vom VBE NRW. Außerdem stehen auch viele Materialien zum Download bereit.
Das Thüringer Lehrerforum ist als "lehrerforum-vbe.de" vollständig in das Lehrerforum-NRW integriert. Dadurch profitieren die Nutzer des Thüringer Lehrerforums auch von den Fragen und Antworten aus anderen Bundesländern. Für spezifische Fragen und Probleme aus Thüringen stehen natürlich auch Berater aus dem tlv thüringer lehrerverband im Forum zur Verfügung.
Das Lehrerforum wird verantwortlich getragen vom Verband Bildung und Erziehung NRW (VBE NRW), der Universität Lüneburg und Opus NRW.
„Das ist ja eine tolle Sache, der sich der tlv da angeschlossen hat. Wie war doch gleich noch einmal die Adresse?“ „www.thueringer-lehrerforum.de. Nähe ist eben unsere Stärke! „Das ist gut so. Tschüß, Klaus!“
"Wenn manche Lehrerinnen und Lehrer wüssten, was andere wissen, fiele ihnen manches leichter".
 "Was ist mit mir los?" Ein Beispiel aus dem Lehrerforum
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 „Wer Qualität will, muss Lehrergesundheit fördern“
Mit diesem Vortrag auf dem 3. Thüringer Lehrertag am 11.03.05 in Erfurt wurde durch Prof. Dr. Bernhard Sieland ein neuer Aspekt aufgegriffen. Als Konsequenz aus dem überwältigenden Interesse an der „tlv Umfrage zur Lehrergesundheit in Thüringen“ führt der tlv im Februar acht Lehrergesundheitstage an verschiedenen Orten in Thüringen durch. Prof. Sieland konnte als Hauptreferent gewonnen werden. Aus diesem Anlass beantwortete er im Vorfeld folgende Fragen:
1. Qualität von Schule wird durch eine Fülle von Einflussfaktoren bestimmt. Welche Bedeutung messen Sie dabei der Förderung der Lehrergesundheit bei?
Bisher wurde Schulqualität an den Leistungen für die Kernaufgaben Bildung und Erziehung gemessen. Gesundheitsförderung wurde als optionale Zusatzaufgabe (neben vielen anderen) angesehen, für die Zeit und Energie aufgewendet werden musste, die dem Kernauftrag verloren ging. Die neue Leitidee „gute gesunde Schule“ vermeidet sogar das „und“ zwischen beiden Kriterien und sieht sie als zwei Seiten EINER Medaille! „Gut“ ist eine Schule, wenn sich alle Mitglieder mit einem Schulprogramm identifizieren, das die Zukunftsfähigkeit aller Beteiligten fördert. Gute Schulen sind „lernende Systeme“, bei denen sich jeder für die eigene Entwicklung, für die des Kollegiums und der Schüler einsetzt und folgende Fragen beantworten kann:
„An welchen Entwicklungszielen arbeiten Sie gerade?
Arbeiten Sie in professionellen Lerngemeinschaften?
Lernen Schüler und Lehrer kooperativ?“
Gesund ist eine Schule, wenn sie die gesundheitlichen Leistungsvoraussetzungen der Lehrer wie Schüler und Eltern ebenso analysiert und pflegt wie die gesundheitsrelevanten Leistungsergebnisse. Dazu gehören emotionale und soziale Kompetenz, weitere Life-Skills und letztlich eine Balance zwischen Arbeits- und Privatleben der Lehrer und Schüler. Kurz: Schulqualität ist ohne Lehrergesundheit eine Farce – wer das Eine will, muss das Andere fördern und umgekehrt!
2. Was können die Lehrerinnen und Lehrer an den Lehrergesundheitstagen von Ihnen erwarten?
Kritische Gretchenfragen nach ihrem alltäglichen Gesundheitshandeln, nach den Kraftquellen in ihrem Alltag, nach den Unterschieden zwischen ihrer gefühlten und diagnostizierbaren Gesundheit, nach ihren Entwicklungszielen in der nächsten Zeit, nach ihrer emotionalen Kompetenz sich über das Mögliche zu freuen und am leider nicht Möglichen nicht zu verzweifeln … Ich möchte auch Impulse geben, in professionellen Lerngemeinschaften die Qualität beruflichen und gesundheitsförderlichen Handelns zu verbessern. Anderen, die nur auf Verbesserungen der Großwetterlage warten oder sich auf individuelle Gesundheitsförderung beschränken, möchte ich zurufen: „Raus aus der Opferrolle!“ In meinem Workshop werde ich besonders die emotionale Kompetenz von Schülern und Lehrern in den Vordergrund stellen.
3. Welche Möglichkeiten der Unterstützung bietet das Lehrerforum?
www.lehrerforum-nrw.de ist eine kostenlose virtuelle professionelle Lerngemeinschaft. Gäste können lesen, mit welchen Problemen und guten Praxisideen sich andere Kolleginnen und Kollegen auseinander setzen. Registrierte Nutzerinnen und Nutzer können anonym Fragen stellen und innerhalb von zwei Tagen Anregungen von Kolleginnen und Kollegen und dem multiprofessionellen Beratungsteam bekommen. Sie können von guter Praxis berichten und Kontakte zu anderen Praxisprojekten knüpfen, die an ähnlichen Entwicklungszielen arbeiten. Das Forum bündelt kollektives Erfahrungswissen. Es ermutigt, professionelle Probleme für andere verständlich zu formulieren und anonym ins Netz zu stellen. Kurz, es ist ein Prototyp für eine multiprofessionelle virtuelle Lerngemeinschaft und bietet Synergien zwischen Lernen und Fallberatung, zwischen der Aus- und Fortbildung von Lehrern, Beratungslehrern und Schulpsychologen. Die Nutzer können als Klienten um Anregungen bitten, als Berater Lösungsvorschläge erarbeiten, als Leser problembasiert lernen. Es soll die Bereitschaft zum kollegialen Diskurs fördern. Fragen online zu stellen ist ein Zeichen von Qualitätsbewusstsein, nicht ein Zeichen von Hilflosigkeit! Kolleginnen und Kollegen können erfahren, dass auch andere mit bestimmten Aufgaben Schwierigkeiten haben.
4. Wird es das Lehrerforum auch in Thüringen geben?
Das Lehrerforum wurde von einem Thüringer entwickelt, und ich bin sehr gespannt, wie viele Thüringer Lehrer/-innen sich im Forum beteiligen. Das werden auf jeden Fall solche Kolleginnen sein, die Probleme sehen und nach vielfältigen Lösungen suchen, die die eigene Praxis zur Diskussion stellen, die sich wie die drei Musketiere füreinander einsetzen im Dienste unserer Kinder und die auch die eigene Belastung und Gesundheit nicht aus den Augen verlieren. Wichtig ist natürlich, dass es ein starkes Thüringer Beratungsteam mit Spezialisten aus schulrelevanten Fachgebieten gibt, damit die Nachfragen von Lehrern, Anwärtern und Lehramtsstudierenden angemessen bedient werden können. Wer hier mitarbeiten will, melde sich in der tlv Landesgeschäftsstelle (post(at)tlv.de).
5. Welche weiteren Initiativen sind vorgesehen?
Einmal das Erzieherinnenforum www.erzieherinnenforum-nrw.de. Es leistet dieselben Funktionen wie das Lehrerforum für die Elementarerziehung. Gerade sie verdient künftig besondere Beachtung. Gleichzeitig ist die Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule zu intensivieren. Zum anderen sollen beide Foren in der Ausbildung von Erzieherinnen, Lehramtsstudierenden, Anwärterinnen, Beratungslehrern, Schulpsychologen und demnächst auch Schulleitungen genutzt werden. Dafür gibt es Material zum Herunterladen in beiden Foren.
Das Gespräch führte Rolf Busch, tlv Landesvorsitzender
aus: 01-02/2006 Thüringer Schule
 Direkt zum Thüringer Lehrerforum
http://www.thueringer-lehrerforum.de/ 
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