Start | Newsletter | Kalender | Sitemap | Suche | Kontakt | Shop | Druckansicht | Hilfe        RSS

Kompetenznetzwerk Schule Arbeitsbewertungs-Check für Lehrerinnen und Lehrer auf vbe.de


05/09 2007:
Thüringer «Floh-Fitness-Training» an Schulen gestartet

Erfurt (ddp-lth). In Thüringen hat zum neuen Schuljahr an den Grund- und Förderschulen das sogenannte Floh-Fitness-Training begonnen. Dieses zusätzliche Lesetraining soll zum Lesen verlocken, erklärte der Landeselternsprecher der Thüringer Grundschulen, Alexander Grimm, am Dienstag in Erfurt.

 

Kindgerecht und spielerisch soll den Schülern das Lesen-Lernen vermittelt werden. Bislang hätten sieben von zehn Schülern Schwierigkeiten beim Lesen-Lernen.

 

In den vergangenen fünf Jahren haben bereits 20 718 Schüler aus 966 Thüringer Klassen am «Floh-Fitness-Training» teilgenommen, sagte der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes (tlv), Rolf Busch.

 

Alleine im vorigen Jahr habe die Anzahl der teilnehmenden Grund- und Förderschulklassen 327 betragen. Die Tendenz sei steigend. Auch Eltern und Schüler hätten sich positiv geäußert. Zum einen werde mehr gelesen. Zum anderen gebe es nun die Möglichkeit, mithilfe des Trainingsprogramms gezielt Leseschwächen zu erkennen.

 

Das «Floh-Fitness-Training» ist eine Initiative des Thüringer Lehrerverbandes und der Stiftung Lernen der Jugendzeitschrift «Flohkiste» und «Floh».

 

Seit diesem Schuljahr gibt es in Thüringen erstmalig eine kostenfreie dreimonatige Testphase. In dieser Zeit können Schüler, Eltern und Lehrer herausfinden, ob das Lesetraining in ihrer Klasse weitergeführt werden soll.

 

Nach der anschließenden Testphase müsse das Training von Eltern oder Fördervereinen finanziert werden, erklärte Grimm. Eine Kostenübernahme durch das Land bestehe derzeit nicht. (tlv.de; thueringer-lesefitness.de)

ddp/jhi/fgr

 


05/09 2007:
Mit Floh-Fitness zur Lesekompetenz

Erschienen am 05.09.2007 00:00

GRUNDSCHULE

 

Wissenschaftliche Untersuchungen stellen fest, dass jedes zweite Kind in Deutschland die Schule nicht „buchreif“ abschließt. 20 Prozent der Kinder bewegen sich demnach auf der „niedrigsten Kompetenzstufe“. Helfen sollen nun die „Thüringer Lesefitnesstage“.

 

ERFURT - Lesenkönnen und -wollen wird in den ersten Schuljahren durch esenlernen antrainiert. Dazu soll die Aktion beitragen. Neu ist das Material der Schul-Jugendzeitschriften Flohkiste und Floh nicht, die auch der Thüringer Lehrerverband (TLV) mit herausgibt. Seit fünf Jahren haben in Thüringen bisher an die Tausend erste bis vierte Klassen an dem „Training“ teilgenommen. Das sind weniger als zehn Prozent. Der Grund für diese Zurückhaltung dürfte nicht zuletzt mit den Kosten zusammenhängen. Nur am

Rande wurde dieser Zusammenhang erwähnt, als gestern der TLV-Landesvorsitzende Rolf Busch über die Aktion informierte, an der „neu ist, dass das Material für die 1. bis 4. Klassen drei Monate kostenlos zur Verfügung gestellt wird“. Die Kosten dafür würden sich, so rechnete Busch aus, auf etwa 1,30 Euro pro Kind und Monat belaufen.

 

Sponsoren gesucht

Förderung etwa durch das Kultusministerium ist nicht zu erwarten, obgleich Minister Jens Goebel (CDU) als Schirmherr der Aktion agiert. Nun hofft man, durch die Wirkung dieses zeitweise kostenlosen Trainings Sponsoren anderer Art zu animieren. Denn immerhin hätten bisher 90 Prozent der an dem Training teilnehmenden Kinder die Lesereife erlangt.

 

Vorgestellt werden soll das Programm vor Lehrern, gern auch im Beisein der Eltern, bei Auftaktveranstaltungen in drei großen Thüringer Städten. Der Termin in Suhl ist am 19. September ab 14.30 Uhr in der Grundschule Suhl-Heinrichs. Dabei gibt es auch ein Video zu sehen, gestaltet aus Szenen von schon erfolgreich trainierenden Kindern, die glücklich singend verkünden, wie schön es sei, lesen zu lernen.

 

Sie sollen dabei zu einem im Unterricht gelesenen Text schriftlich Fragen beantworten, wobei sie selbst bewerten, ob sie einen Text nicht nur schnell lesen können, sondern auch den Inhalt begriffen haben. Beispielsweise muss aus Gruppen von jeweils drei Sätzen schnell erkannt werden, welche Satzkomposition unsinnig ist.

 

Hier ein Beispiel: Sie kann ihr Schwein nicht bewegen. Sie kann ihr Bein

nicht bewegen. Sie kann den Wein nicht bewegen. Für jeden richtig angekreuzten Satz gibt es einen Punkt.

 

Warum selbst bei der Ermunterung zum Lesen in diesem frühen Alter im Material nicht auf Anglizismen wie Fitness oder Check verzichtet wird, bleibt das Geheimnis der Pädagogen, die das Konzept entwickelt haben. Lesefitness heißt schließlich Lesenkönnen, und ein Check ist nichts anderes als eine Prüfung.

ILSE HOLZ

 


05/09 2007:
Lesefitnesstraining an Thüringer Schulen

 

An den Grund- und Förderschulen in Thüringen startet in diesem Jahr ein Lese-Fitness-Training.

 

Nach Angaben von Rolf Busch vom Thüringer Lehrer-Verband beteiligen sich fast 4.000 Klassen an dem Programm. Finanziert wird das Training von der Stiftung Lernen. Bei der Aktion wird an allen Schulen die Zeitschrift "Flohkiste" verteilt. In ihr gibt es kindgerechte Texte und Übungen, mit denen die Lehrer das Lese-Verständnis prüfen können. Schirmherr der Aktion ist Thüringens Kultusminister Jens Goebel. Das Land beteiligt sich allerdings nicht an den Kosten von über 200.000 Euro.

 


05/09 2007:
Lesen lernen mit dem Floh

Dienstag, 04.September 2007, 16.25 Uhr

 

Nordhausen (nnz). Lesen lernt man nur durch Lesen. Manche Kinder haben dazu aber keine Lust. Ein neues Projekt soll Interesse wecken. Was ein Lese-Fitneßtraining ist, das hat nnz herausgefunden.

 

„Neu und einmalig ist in diesem Schuljahr, dass allen 1. bis 4. Klassen in Thüringen das umfangreiche Material über einen Zeitraum von drei Monaten kostenlos zur Verfügung gestellt wird“, freut sich der tlv Landesvorsitzende Rolf Busch über diese Möglichkeit für Lehrer, Eltern und besonders für die Schüler.

 

Ohne Druck, dafür kindgerecht mit sportlich-spielerischem Ansporn wird Kindern durch das FLOHLesefitness-Training das Lesenlernen vermittelt. Längst nicht alle Kinder üben ausreichend, um die Qualifikation Lesen in der Grundschule zu erwerben. Frühzeitige Unterstützung ist für diejenigen dringend notwendig, die die Faszination Lesen nicht selbst entdecken.

 

"Wir reden immer vom Lesen und dabei oft zu wenig von geeignetem Lesestoff. Aber Lesen lernt man eben nur durch Lesen. Deshalb bilden auch die Texte der vom tlv mit herausgegebenen Schul-Jugendzeitschriften FLOHKISTE/floh! die Plattform des Lesefitness-Trainings", so der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung LERNEN der Schul-Jugendzeitschriften FLOHKISTE/floh!, Günther Brinek.

 

Die gesamte Bildung in allen anderen Bereichen baut auf der Fähigkeit des Lesens und somit des Verstehens auf. Alexander Grimm, der Landeselternsprecher der Thüringer Grundschulen begründet die Unterstützung der Kreiselternsprecher wie folgt: „Die Eltern sollten von Anfang an in allen Bereichen der Kinderbildung aktiv mitwirken, denn das Konzept des FLOH-Lesefitness-Trainings deckt auch diese Mitarbeit der Eltern ab. Kinder lesen aus den Materialien zu Hause vor, erhalten dadurch zusätzliche Lesekompetenz, und somit auch durch die Lernerfolge immer wiederkehrende

Motivation durch den erlebten Erfolg“.

 

Das FLOH-Lesefitness-Training wurde von Pädagogen entwickelt und wird im

Unterricht ohne Anleitung des Lehrers durchgeführt. Das Konzept basiert auf zwei Übungsformen, dem Tempo- und dem Leseverständnis-Check.

 

Zu einem im Unterricht gelesenen Text werden in schriftlicher Form Fragen gestellt, die im Multiple-Choice-Verfahren zu beantworten sind. Hier wird nicht nur die Lesegeschwindigkeit sondern – was in der üblichen Leselernpraxis häufig vernachlässigt wird – auch das Verständnis abgefragt.

 

Nach einem Punktesystem bewertet jedes Kind seine individuellen Fortschritte und dokumentiert diese in seinem eigenen Checkheft. So werden auch bislang wenig interessierte Kinder motiviert, weiter zu üben.

 

Für die Lehrerinnen und Lehrer entsteht darüber hinaus eine wertvolle Diagnosehilfe. Insgesamt werden pro Schuljahr 5 (1. Klasse) bzw. 7 (2. – 4. Klasse) Checks in vierwöchigen Abständen in der Klasse durchgeführt.

 

Anmeldeschluss für die zweite bis vierte Jahrgangsstufe ist der 15. Oktober 2007, für die ersten Klassen der 31. Januar 2008.

 

Die Klassenlehrer müssen unter www.thueringer-lesefitness.de oder direkt über die Stiftung LERNEN (stifung@floh.de) ihre Klasse anmelden. (nnz)

 


30/08 2007:
Auch Lehrer schwänzen den Unterricht

Michaela Beck, Radio F.R.E.I

 

In Thüringen neigen sich die Sommerferien dem Ende entgegen. Mit dem Schulbeginn am kommenden Donnerstag könnte es durchaus zu einem Lehrermangel in Thüringen kommen. Zwar seien bereits mehr als 90 Prozent der zu vergebenden Stellen besetzt, dennoch stelle dies keine Garantie für das Erscheinen der Pädagogen dar, sagte Detlef Baer, Pressesprecher des Thüringer Kultusministeriums.

 

In den vergangenen Jahren unterschrieben Lehrer immer häufiger die Verträge, erschienen am ersten Schultag aber nicht zum Unterricht . Die Erklärung hierfür ist ganz einfach: Lehrer finden im Westen lukrativerer Arbeitsstellen.

 

Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbands meint dazu: Zitat: "Die Kinder unter gleichen Bedingungen "sitzen" zu lassen, finde ich nicht in Ordnung. Wenn man aber bedenkt, welche Differenzen zwischen den alten und den neuen Bundesländern bestehen dann kann man den Betroffenen keinen Vorwurf machen. Oder man muss eben die Bedingungen ändern." Grund für die Abwanderung seien Gehaltsunterschiede oder auch unzureichende Aufstiegschancen.

 

Der Sprecher des Thüringen Kultusministeriums, Detlef Baer, verwies auf eine geplante Tarifangleichung im Jahr 2010. Gegenüber Radio F.R.E.I. äußerte er, dass es derzeit keine Möglichkeit gebe etwas an dieser Situation zu ändern. Zitat: "Man kann niemanden zwingen in Thüringen zu bleiben."

 

Dass diese Situation weder für Schüler noch für Lehrer positive Folgen hat, ist zu erwarten. Aktuelle Zahlen kann das Kultusministerium dazu jedoch nicht nennen. Momentan werden die letzten freien Stellen noch besetzt. In den Realschulen und den Gymnasien ist die Anzahl der Lehrkräfte ausreichend. In den Grundschulen besteht jedoch großer Bedarf, da die Geburtenzahlen in den vergangenen Jahren wieder gestiegen sind und viele Lehrer vor dem Ruhestand stehen.

 

Dies soll nun durch die Einstellung von jüngeren Lehrkräften ausgeglichen werden. Doch gerade die jungen Pädagogen und frisch gebackenen Hochschulabsolventen zieht es in den Westen. Zitat: "Man muss auch bei knappen Kassen Prioritäten setzen. Entweder man kümmert sich um qualifizierte Lehrer für die Kinder in Thüringen oder man gibt zu, dass man im Wettbewerb nicht mithalten kann. Lehrerverbandsvorsitzende Rolf Busch meint, dass eine solche Entscheidung die Unterstützung der Gesellschaft und die Führung durch die Politik bedarf. Zitat: "Wenn die Politik sich dagegen entscheidet, dann wird das Konsequenzen haben.", sagte Busch.

 

Ob zum Schulbeginn genügend Lehrer ihren Dienst antreten, wird der kommende Donnerstag zeigen. Die Schulen starten also mehr oder weniger "unvorbereitet" in das neue Schuljahr. Unabhängig davon, kritisiert Rolf Busch auch die fehlende Kontinuität in den Ausbildungsstätten.

 

Schon seit Jahren besteht ein "Personalkarusell". Die Konstanz, dass ein Pädagoge eine Schulklasse als Klassenlehrer über Jahre hinweg begleitet ist schon lange nicht mehr gegeben. Auch der ständige Transfer und Austausch von Lehrern unter den einzelnen Schulen - um eben fehlende Fachkräfte zu ersetzen - sei negativ zu betrachten. Dadurch werde der kontinuierliche Schulalltag durcheinander gebracht und das sei Gefahr für Lehrer und Schüler.

 


20/09 2006:
Lehrer fristlos gekündigt

Französisch stand im Stundenplan. Der 43-jährige Lehrer im Kreis Gotha war gestern früh pünktlich in der Schule. Unterrichten durfte er nicht, tags zuvor hatte ihn ein Gericht verurteilt.

Von Angelika REISER-FISCHER und Eva WEBER THÜRINGEN.

Der Schulleiter hatte ihn schon vor dem Klingeln in Empfang genommen und wieder heim geschickt - Suspendierung, heißt das im Juristendeutsch. Er dürfe, hieß es aus Kultusministerium und Schulamt, nie wieder Kinder unterrichten. Der sonst so unauffällige Kollege und beliebte Lehrer hatte härteste Kinderpornografie in seinem Rechner gespeichert und vor Gericht dies schließlich gestanden. Das Urteil: 4500 Euro Geldstrafe.

Noch härter dürfte ihn treffen, dass ihm die fristlose Kündigung ins Haus steht. Das Verfahren lief zwar schon fünf Jahre, aber bisher habe die Unschuldsvermutung gegolten, so das Kultusministerium. Eher habe man nicht handeln können.Ein seltener Fall. Aber kein einmaliger.

"Es gibt 26 000 Lehrer in Thüringen, da kommt so was vor", sagt auch der Lehrerverband TLV. Eine offizielle Statistik über solche Fälle gibt es nicht. Von ein bis zwei Lehrerkündigungen pro Jahr, meist nach Gerichtsurteilen, spricht das Ministerium. Da gab es auch den damals 59-jährigen Erfurter Berufsschullehrer, dem wegen seines Nebenjobs als Aktfotograf gekündigt worden war. Erst als sich bei seiner Model-Suche über das Arbeitsamt eine Kollegin meldete, flog die Sache auf. Er wurde vom Dienst suspendiert, durfte das Schulhaus nicht mehr betreten. Es wurde geklagt, in Berufung gegangen. Inzwischen ist der Mann Pensionär.

Ereilt hatte ihn auch eine Verdachtskündigung, eine "arbeitsrechtlich aber schwierige Sache", sagt Rolf Busch, TLV-Landeschef und Mitglied des Hauptpersonalrates. Zwar ist das Urteil eines Richters abzuwarten, aber in heiklen Fällen sei Kindern ein Lehrer manchmal nicht mehr zuzumuten. Dann gibt es die Verdachtskündigung. Ein Balanceakt, auch wenn sie zurückgenommen wird, wenn sich die Unschuld des Lehrers herausstellt.

So wie im Fall eines Jenaer Gymnasiallehrers. Der 46-Jährige stand im Sommer vorigen Jahres vor dem Landgericht Gera. Eine 15-Jährige hatte behauptet, er habe sie Monate zuvor im Physikraum mit einer Spritze bewegungsunfähig gemacht und vergewaltigt. Der Lehrer kam in U-Haft, erlitt ein wahres Martyrium. Das Gericht sprach ihn frei. Denn beweisen konnte es ihm die Tat nicht und hielt sie auch für ziemlich unwahrscheinlich. Das Kultusministerium nahm die Verdachtskündigung zurück, der Lehrer kehrte in den Schuldienst zurück - wenn auch nicht in sein altes Gymnasium. "Das Problem dabei ist, dass man Menschen zerstören kann", sagt Rolf Busch. "Mit zu viel Vorsicht und auch mit einer voreiligen Bestrafung."

 


14/09 2006:
„Lehrer nicht zu Sündenböcken machen“

Heftige Kritik der Pädagogenverbände an Finanzgutachten und der Thüringer Finanzministerin

Von Hartmut Kaczmarek

Erfurt, (tlz) Für Rolf Busch, den Vorsitzenden des Thüringer Lehrerverbandes, ist es ein Skandal, was der Dresdener Finanzwissenschaftler Helmut Seitz da zu Papier gebracht hat.

Plötzlich werden die Lehrer zu Sündenböcken gemacht, die für die hohe Verschuldung Thüringens die Hauptverantwortung tragen. „Jedes alte Bundesland wäre mit einem Schülerrückgang in einer Größenordnung von 50 Prozent im Chaos versunken", ärgert sich Busch über den von Seitz hergestellten Vergleich mit den Lehrerkosten in Rheinland-Pfalz. In Thüringen hätten die Lehrer dagegen mit Floating-Modellen und mit Teilzeit-Arbeit unter Inkaufnahme erheblicher Einkommensverluste ihren Teil dazu beigetragen, die Probleme in den Griff zu bekommen. „Von Westgehalt ganz zu schweigen", so Busch.

Eine solche Betrachtungsweise, wie sie Seitz in seiner Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung anstelle, erhöhe den sowieso schon vorhandenen Frust in den Lehrerzimmern.Busch mahnt mehr Ehrlichkeit in der politischen Diskussion an. Und will selbst seinen Teil zu dieser Versachlichung der Debatte beitragen: Auch eine Erhebung des Lehrerverbandes hat ergeben, dass die Arbeitsbedingungen, festgemacht an der Lehrer-Schüler-Relation in Thüringen gut sind. Aber Busch wehrt sich gegen eine rein fiskalische Betrachtungsweise der Problematik. Lege man diese Messlatte nämlich an, dann müsse man sich damit abfinden, dass Gymnasien nur noch alle 50 Kilometer, Regelschulen nur noch alle 30 Kilometer im Land zu finden seien. Und auch die Wege zu den Grundschulen würden immer länger.

Und wenn die Thüringer Finanzministerin Birgit Diezel (CDU) jetzt davon rede, bei den Lehrern könne man noch mehr sparen, dann solle sie Ross und Reiter nennen Die Politik gebe die Ziele vor. Und wenn man Mittelmaß in der Bildungslandschaft anstrebe dann solle man das ehrlich sagen, so Busch.

 


31/08 2006:
Lehrerverband warnt vor gefährlichem Trend an Schulen

Von Hartmut Kaczmarek

Erfurt, (tlz) Rolf Busch war vor einigen Tagen regelrecht geschockt. Eine Kollegin, die ihren Lehrerberuf liebt, sich bisher in der Schule engagiert hat, gesteht Busch offen: In Zukunft nimmt sie sich selbst zurück, erledigt ihre Arbeit, mehr aber nicht. „Innere Kündigung" nennt der Vorsitzende des Lehrerverbandes das. Und das ist ein Thema, das ihm große Sorgen bereitet. Denn die Lehrerin, von der er erzählt, ist kein Einzelfall.

Busch weiß, dass das ein stilles Thema ist. Die Betroffenen schweigen meist, ziehen ihre Konsequenzen. Aber Busch will das Thema öffentlich machen, weil er Gefahren sieht, dass ohne Gegensteuern mittelfristig die Lage an den Schulen sich dramatisch verschlechtert, dass man auf Verhältnisse wie an vielen westdeutschen Schulen zusteuert.

Für ihn ist diese innere Emigration vieler Pädagogen eigentlich das Thema an den Thüringer Schulen. Zwar habe man aufgehört, massiv neue Dinge an den Schulen einzuführen. Aber die Politik habe nicht den Mut, Aufgaben, die man den Pädagogen in den vergangenen Jahren aufs Auge gedrückt habe, wieder zurückzufahren, bemängelt der Lehrerverbands-Chef. Und er nennt als Beispiele das Einsammeln des Schulbuchgeldes, die Kopfnoten oder die Kompetenzbögen.

Und ihn ärgert, wenn er beispielsweise liest, dass bundesweit darüber diskutiert wird, dass das Wirtschaftswissen von Schülern zu gering ist, dass die Schüler mehr Rechtskunde haben müssten und dass viele Schulkinder einfach zu dick sind. „Die Schule kann nicht alle Probleme lösen“, sagt Busch mit Nachdruck.

Dieser Rückzug der Lehrer in die innere Emigration ist ein schleichender Prozess, ein Prozess, der zuerst keine spektakulären Spuren hinterlässt, aber um so nachhaltiger wirkt. Verbale Anerkennung reicht mittlerweile nicht mehr aus, diesen Trend zu stoppen. Konkret nennt Busch die Kürzungen bei den Unterstützungssystemen für Pädagogen, wie beispielsweise Fach- oder Beratungslehrer. Gerade damit sollte man sehr behutsam umgehen, mahnt er.

 


31/08 2006:
Die Ruhe an den Schulen täuscht

Von Elmar Otto (TLZ)

 

Erfurt. (tlz) Die derzeitige scheinbare Ruhe an den Thüringer Schulen täuscht. "Unter dem Deckel gärt es", sagt der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes, Rolf Busch, in einem TLZ-Gespräch zum Schuljahresbeginn.

Er meint damit nicht so sehr die personellen Engpässe. "Viele Dinge, die hier laufen, muss man positiv sehen." Was ihm mehr Sorgen bereitet, ist der zunehmende Trend bei vielen engagierten Lehrern zur "inneren Emigration". Den Lehrern seien in den vergangenen Jahren immer neue Aufgaben aufgedrückt worden. Jetzt sei der Punkt erreicht, an dem viele sich verausgabt hätten und sich zurückziehen. "Da genügen freundliche Worte aus dem Ministerium nicht mehr." Entscheidend sei eine Entlastung und das Zurückfahren von Aufgaben, die in der Vergangenheit neu eingeführt worden seien.

An berufsbildenden Schulen in Thüringen wird es auch im Schuljahr 2006/2007 wieder zu Unterrichtsausfällen kommen. "Wir werden nicht alle Fächer absichern können", sagte Kultusminister Jens Goebel (CDU) auf TLZ-Nachfrage. An Förderschulen gibt es ebenfalls Schwierigkeiten.

562 Lehrer sind in Thüringen in diesem Jahr eingestellt worden. 630 Neueinstellungen sind insgesamt geplant. Linkspartei- und SPD-Landtagsfraktion kritisierten dies als nicht ausreichend und sprachen von einer "großen Personallücke" an den Schulen. Die Schülerzahl sank im Vergleich zum Vorjahr um weitere 15 000. Die Zahl der Schulen ging von 947 auf 923 zurück.

 


31/08 2006:
Auf leisen Sohlen

TLZ Kommentar von Hartmut Kaczmarek

Natürlich muss sich ein Kultusminister in eigener Sache zu Beginn jedes Schuljahrs loben. Das gehört zum Ritual. Und wenn er dann noch auf wissenschaftliche Expertisen verweisen kann, die Thüringen bescheinigen, in der frühkindlichen Bildung Spitze zu sein und auch sonst schulpolitisch zum Spitzenquartett Deutschlands zu zählen, ist zumindest für Jens Goebel die Welt in Ordnung. Denn diese Analyse hat das Ministerium nicht einmal selbst in Auftrag gegeben.

Also alles paletti, Herr Minister? Scheinbar ja. Wenn da nicht die Stundenausfälle wären, die die Eltern nerven. Wenn da nicht die Zahl der Lehrerneueinstellungen wäre, die viele als zu gering betrachten. Marginalien sind das nicht, weil das weh tut. Aber verglichen mit den Personalproblemen, die Goebels Vorgänger hatten, sind das fast peanuts. Immerhin bescheinigt auch der Lehrerverband, dass sich die Personalsituation an den Schulen entspannt habe.

Und trotzdem: Die eigentliche Gefahr sind nicht die spektakulären Stundenausfälle. Die eigentliche Gefahr kommt auf leisen Sohlen. Denn viele Thüringer Lehrer fühlen sich ausgepowert. Die Umfrage zur Lehrergesundheit, die der Pädagogen-Verband vor einigen Monaten gemacht hat, spricht da Bände. Die Lehrer sind in den vergangenen Jahren mit vielen Dingen zusätzlich belastet worden, ohne an anderer Stelle entlastet zu werden. Das geht auf die Nerven, das erhöht den Frust, führt zur inneren Kündigung.

Hier muss Goebel dringend ansetzen. Denn sonst droht der Thüringer Schule ein Desaster, nicht heute und morgen, aber sicher übermorgen.

 


Seitenanfang



Letzte Änderung: 05.09.2007 RSS    | Seite empfehlen | Druckansicht | pdf-Ansicht | Impressum