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Kompetenznetzwerk Schule Arbeitsbewertungs-Check für Lehrerinnen und Lehrer auf vbe.de


15/02 2010:
"Schule ist kein Experimentierfeld"

Lehrerverband warnt vor übereilten Entscheidungen


Von Hartmut Kaczmarek und Elmar Otto

 

Erfurt. (tlz) Die Schule darf nicht zum Experimentierfeld werden. Deshalb sollte auch die neue Thüringer Gemeinschaftsschule sorgfältig vorbereitet werden. Das hat der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes (tlv), Rolf Busch, im TLZ-Gespräch verlangt. Eine neue Schulform müsse auch von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werden. Sonst drohe die Gefahr, dass auch in Thüringen ein Schulkampf entbrennt. Viel wichtiger als die Frage der Schulstrukturen ist für Busch aber, dass möglichst rasch ein "Kompetenznetzwerk" an allen Schulen geschaffen wird. Darin sollen Lehrer, Sozialpädagogen, Schulpsychologen und wenn nötig Jugendamt und Polizei als "soziale Klammer" zusammenarbeiten und eine angemessene Betreuung schwieriger Kinder sicherstellen.

 

Die Bildungspolitik könnte trotz aller gegenteiligen Beteuerungen zu einem neuen Konfliktfeld der schwarz-roten Koalition werden: Die von  Kultusminister Christoph Matschie (SPD) vorgestellten Eckpunkte zum Gemeinschaftsschulkonzept stießen bei der CDU auf Skepsis. "Warum das von der SPD im Koalitionsvertrag verankerte längere gemeinsame Lernen von der 5. bis zur 8. Klasse zwingend den Aufbau einer zwölf Klassenstufen umfassenden Schule erfordert, erschließt sich mir nicht", sagte Bildungsexperte Volker Emde. Die CDU will bis Mitte März eigene Vorstellungen präsentieren.

 

Eine bessere Schule

Von Hartmut Kaczmarek

 

Schulpolitik holterdipolter – das funktioniert nicht. Der schwarz-grüne Senat in Hamburg muss es gerade wieder leidvoll erfahren. Dort wird in einem Volksentscheid über längeres gemeinsames Lernen bis zur Klasse sechs abgestimmt. Aussichten ungewiss, aber der Schulkampf tobt in der Hansestadt.

Das sollten wir uns in Thüringen ersparen. Die neue Thüringer Gemeinschaftsschule muss sorgfältig vorbereitet werden, sie muss auf einem breiten gesamtgesellschaftlichen Konsens beruhen, sie darf nicht zu einem ideologischen bildungspolitischen Krieg führen. Eine neue Schule mit neuen Ideen kann reizvoll sein, eine sinnvolle Ergänzung des Bestehenden, aber kein Experimentierfeld für unausgegorene Ideen oder politische Profilsuche.

Die Fallstricke sind ausgelegt, der Grund für neuen Koalitionszoff geschaffen. Zähneknirschend das „Ja, aber“ der Union. Da die Fraktion wegen des Koalitionsklimas nicht offen maulen kann, müssen stattdessen die Jungunionisten ran. Sie sagen das, was viele in der Union denken. Und schon sind wir wieder da, wo wir nicht hinwollten: in der parteipolitischen Konfrontation.

 

Druckausgabe

Siehe auch: Kompetenznetzwerk Schule

 


16/02 2008:
Jeder Schüler hat eine Chance

Lehrerverband mahnt: Niemand darf verloren gehen

 

Von Hartmut Kaczmarek

Erfurt/Weimar. (tlz) Jeder Schüler hat in Thüringen eine Chance. Dieser Satz sollte zur Leitlinie der Bildungspolitik im Freistaat werden. Das hat der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes, Rolf Busch, in einem TLZ-Gespräch gefordert. "Die Politik hat die Verantwortung, jedem diese Chance zu geben", appellierte Busch an die Verantwortlichen. "Niemand soll verloren gehen."

 

Und auch in den Schulen sollte diese Botschaft den Schülerinnen und Schülern deutlicher vermittelt werden. "Angesichts der demografischen Entwicklung können wir es uns auch gar nicht leisten, jemanden zu vernachlässigen."

 

Die Grabenkämpfe in der Bildungspolitik bringen nach Ansicht von Busch die Schulen im Lande nicht weiter. Stattdessen forderte er praktische Schritte wie beispielsweise die Vernetzung von Beratungsinstitutionen.

 

Die Bildungspolitik sei in der Pflicht, ein Konzept des Förderns und Forderns zu erarbeiten. Und natürlich gehöre dazu auch eine ausreichende finanzielle Ausstattung.

 

Mittel, die auf Grund der sinkenden Schülerzahlen eingespart würden, dürften nicht aus dem System Schule genommen werden, mahnte Busch. Außerdem müsse bei Eltern und Schülern das Bewusstsein stärker geweckt werden, dass es auch nach der Regelschule vielfältige Möglichkeiten innerhalb des bestehenden Systems gebe, die bis zum Universitätszugang führen könnten, erklärte Busch.

 


16/02 2008:
Nein zu Denken und Arbeiten in Schubladen

Lehrerverband will mehr Pragmatismus

 

Von Hartmut Kaczmarek Erfurt/Weimar. (tlz)

 

Rolf Busch mahnt schon seit Jahren: Macht endlich Schluss mit den Grabenkämpfen in der Schulpolitik. Jetzt werden seine Worte in Richtung Politik noch eindringlicher:„Die Politiker müssen aus den ideologischen Schützengräben herauskommen."

 

Busch ist ein Pragmatiker, der für deutliche Verbesserungen im Schulsystem kämpft. Und da gibt es seiner Einschätzung nach noch viel zu tun. Allein die Vorgaben durch die demografische Entwicklung in Thüringen bedeuten für die Schulentwicklung eine gewaltige Herausforderung.

 

Beispielsweise ist er ein engagierter Streiter, wenn es darum geht, den Kommunen direkt eine größere Variationsbreite im Schulangebot einzuräumen, ihnen mehr Spielraum zu lassen, je nach dem konkret vor Ort anfallenden Bedarf. „Die staatliche Verantwortung darf dabei aber nicht vernachlässigt werden", macht er auf die Grenzen solcher eigenständiger kommunaler Bildungspolitik aufmerksam. Bei der Frage der Schulstrukturen müsse man aber schon genauer hin schauen, was vor Ort gewollt werde.

 

Skeptisch sieht Busch die drastisch steigenden Anmeldezahlen für die Gymnasien in Thüringen, die mittlerweile schon die 40ProzentMarke übersprungen haben. Mehr über die Chancen und Möglichkeiten der Regelschule reden, ist sein Rezept. Dann werde auch schnell klar, welche Perspektiven diese Schule eröffne, bis hin zum Universitätszugang.

 

Aber auch in der Kommunikation zwischen Schulen und Kitas sieht er noch ungenutztes Potenzial. So dürfen die Kindergärtnerinnen beispielsweise aus datenschutzrechtlichen Erwägungen den Schulen kaum Informationen über die Abc-Schützen geben. Hier liege ein großes Informationspotenzial brach, das vielen Schülerinnen und Schülern den Start in der Grundschule deutlich erleichtern könne, wünscht er sich Änderungen. Er ist gegen dieses Arbeiten in Schubladen und ist überzeugt, wenn man die Dinge pragmatisch angehe, sei auch etwas zu erreichen.

 

Mit großer Skepsis sieht er das neue Lehrerbildungsgesetz für den Freistaat.

 

Bei den Abschlüssen für Grundschullehrer bewege sich Thüringen auf einen Weg nach unten, während die Anforderungen in Sachsen beispielsweise wesentlich höher seien.

 

„Diesen Irrweg müssen wir verlassen", warnt Busch in Richtung Kultusministerium. Sonst müsse man überlegen, ob man jungen Menschen noch ernsthaft zu einem Lehrerstudium in Thüringen raten könne, weil ihre anschließenden Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlechter seien. "Wir verbauen ihnen Zukunftschancen", erklärt er.

 

Einen großen Erfolg heftet sich der Lehrerverband an die Brust. Durch die intensive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit sei das Problem der Lehrergesundheit und der Belastbarkeit des Berufes ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten. Auch die Taktfrequenz neuer kultusministerieller Regelungen habe deutlich abgenommen, so dass die Lehrer nicht für immer neue Aufgaben herangezogen würden.

 


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Letzte Änderung: 15.02.2010 RSS    | Seite empfehlen | Druckansicht | pdf-Ansicht | Impressum