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07/06 2009:
Programm des tlv thüringer lehrerverband

 

beschlossen auf der 5. Landesdelegiertenversammlung in Weimar-Legefeld am 28./29.11.2008

 

I. Grundverständnis des tlv thüringer lehrerverband

 

Der tlv thüringer lehrerverband bekennt sich zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Er steht auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Thüringen.

 

Der tlv thüringer lehrerverband ist parteipolitisch unabhängig und weltanschaulich offen.

 

Der tlv thüringer lehrerverband setzt sich für ein Bildungs- und Erziehungswesen ein, das der freien Entfaltung der Individualität des Lernenden dient, dem Leistungsvermögen des Einzelnen gerecht wird, sozial nicht ausgrenzt und den Anspruch der Chancengleichheit wahrt sowie allen Fragen von Gegenwart und Zukunft Raum gibt.

 

Der tlv thüringer lehrerverband ist für ein Bildungs- und Erziehungssystem,

  • in dem die Würde des Menschen oberstes Gebot ist,
  • in dem die geistige Freiheit gewährleistet wird und die dem Menschen inne wohnenden Fähigkeiten entwickelt und gefördert werden,
  • in dem Humanität und Toleranz, Sittlichkeit und Kultur grundlegende Erziehungsinhalte sind, z.B. Friedensliebe, Achtung gegenüber Andersdenkenden, Verantwortung für Natur und Umwelt, Arbeits- und Leistungswille, Solidarität, Ehrlichkeit,
  • das von Parteien, Organisationen, Verbänden und Religionen unabhängig und weltanschaulich offen ist.

      

II. Bildungspolitik des tlv thüringer lehrerverband

 

1. Grundpositionen

 

Der tlv thüringer lehrerverband anerkennt, dass die gesellschaftlichen Ansprüche an Schule und damit an Bildung und Erziehung ständig wachsen.

 

Die Qualität und das Profil einer Schule werden maßgeblich von den Lehrkräften in Zusammenarbeit mit Eltern, den zuständigen Schulträgern und weiteren regionalen Einrichtungen bestimmt.

 

Das Grundverständnis eines Pädagogen ist es, dass er Verantwortung für die Entwicklung und die Lernergebnisse des Kindes übernimmt.

 

Der tlv thüringer lehrerverband fordert, dass von der Politik für Schulen, Schüler und Pädagogen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine erfolgreiche Bildungs- und Erziehungsarbeit für alle Kinder und Jugendliche ermöglichen. Dazu gehört auch, dass Schule und Pädagogen von der Gesellschaft eine höhere Anerkennung erfahren und dass das Beamten-, das Tarif-, das Sozial- und das Personalvertretungsrecht diesem Anspruch Rechnung tragen.

 

Der tlv thüringer lehrerverband stellt fest, dass verantwortungsbewusste Familienerziehung eine Grundvoraussetzung für schulische Bildung und Erziehung ist.

 

Der tlv thüringer lehrerverband hebt hervor: Alle Lehrer sind Lehrer, in welcher Schulform und Funktion auch immer.

 

Der tlv thüringer lehrerverband definiert die pädagogische Aufgabe als die Arbeit der Lehrer, Sonderpädagogischen Fachkräfte, Erzieher und aller weiteren im Thüringer Bildungswesen Beschäftigten.

 

Der tlv thüringer lehrerverband bekräftigt: Pädagogen sind Fachleute für Bildung und Erziehung. Die pädagogische Freiheit ist die Grundlage ihres Handelns.

 

2. Pädagogisches Grundverständnis

 

Der tlv thüringer lehrerverband bekennt sich zu folgendem pädagogischen Grundverständnis:

  • dem mündigen, aufgeklärten, sozial- und eigenverantwortlichen Menschen,
  • der Idee der gegenseitigen vollständigen Anerkennung des Anderen und der eigenen Person,
  • der Idee der Selbsttätigkeit in der Erziehung,
  • der Kooperationsfähigkeit als Ziel und der Kooperation als Methode.   

 Bildung und Erziehung müssen folgenden Grundsätzen genügen:

  • Das Lernen und die Wertevermittlung werden durch den Lehrer befördert.
  • Jede Schule muss eine sozialintegrierende Funktion haben und die Schüler fördern, die in ihr lernen.
  • Schule muss so gestaltet werden, dass unter Berücksichtigung des individuellen Entwicklungsstandes des Kindes und durch die Möglichkeit der späteren Differenzierung Lebensperspektiven erschlossen werden (Berufs- und Studienorientierung). Dazu besteht ein verbindlicher Beratungsanspruch, der auch von Eltern wahrgenommen werden muss.
  • Unter dem Aspekt der Qualitätsentwicklung und –sicherung an Schulen haben Bildungseinrichtungen in den kommenden Jahren spezifische Schulprofile zu entwickeln bzw. fortzuschreiben.
  • Für die Heranwachsenden sind die Lernorte so zu gestalten, dass sie durch individuelles Fördern und Fordern ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ihre Persönlichkeit am besten entwickeln und sich auf die gesellschaftliche Eingliederung sowie auf eine berufliche Entwicklung vorbereiten können. 

Der tlv thüringer lehrerverband hebt hervor, dass in der Schule von Schülern Leistungen erbracht werden. Schulische Leistungen dürfen nicht allein vom Ergebnis gesehen werden, sondern auch von den individuell unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler und vom Lernprozess. Leistungen erfordern eine Bewertung.  

 

Der tlv thüringer lehrerverband orientiert darauf, dass die Schule erzieherisch gestaltete Wirklichkeit sein muss, in der alle an ihr Beteiligten demokratisch handeln lernen.

 

3. Schule in Thüringen

 

Der tlv thüringer lehrerverband setzt sich dafür ein, dass die Thüringer Schule öffentliche Schule bleibt und von der öffentlichen Hand ausreichend finanziert wird.

 

Städte und Gemeinden sollen in die Lage versetzt werden, die Trägerschaft der Pflichtschulen zu übernehmen.Der tlv thüringer lehrerverband will den Fortbestand der Horte als Teil der Grundschulen garantiert wissen.

 

Der tlv thüringer lehrerverband hebt hervor, dass eine innere Schulentwicklung nur möglich ist, wenn der Schule ausreichende eigenverantwortliche Gestaltungsmöglichkeiten gegeben werden.

 

Der tlv thüringer lehrerverband ist für eine Personalpolitik und eine Schulverwaltung, die der Einzelschule entsprechend ihres Schulprofils Mitbestimmungsrechte einräumt sowie den geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen gerecht werden.

 

Der tlv thüringer lehrerverband fordert eine pädagogisch orientierte dialogische Schulaufsicht, die die konkreten Schulbedingungen berücksichtigt, die Motivation und das Selbstbewusstsein der Pädagogen stärkt.

 

Der tlv thüringer lehrerverband tritt dafür ein, dass Pädagogen hauptberuflich tätig sein können, damit sie nicht in materielle Abhängigkeit geraten. Die Aufgaben in Bildung und Erziehung erfordern das volle berufliche Engagement jedes Pädagogen.

 

Der tlv thüringer lehrerverband setzt sich dafür ein, dass für die Erfüllung der Bildungs- und Erziehungsaufgaben den Schulen und Pädagogen angemessene Hilfen und ein ausreichendes Zeitbudget gewährt werden. Das Sozialverhalten und die Arbeitshaltung der Schüler sollen auf zeitgenössische Weise diagnostiziert, beschrieben und bewertet werden.

 

Der tlv thüringer lehrerverband definiert den Unterricht als komplexen sozialen Prozess, als zentrale Aufgabe des Lehrerberufs. Ein guter Unterricht verleiht der Schule ihre Wirkung und ihren Rang. Lehrer müssen sich selbst und ihre Arbeit wichtig nehmen, um von der Gesellschaft wichtig genommen zu werden.

 

Der tlv thüringer lehrerverband ist ein Partner für die Gestaltung und Weiterentwicklung eines modernen Schulwesens. Dies erfordert von allen gesellschaftlichen Kräften ein verlässliches und von einer breiten Mehrheit getragenes pädagogisches und strukturelles Grundkonzept.

 

4. Aus-, Fort- und Weiterbildung

 

Der tlv thüringer lehrerverband fordert die nachhaltige Qualitätssicherung und -verbesserung der drei Phasen der Lehrerbildung und eine hochwertige Erzieherausbildung.

 

Pädagogische Berufe erfordern von Beginn des Studiums an eindeutige Berufsfeldbezüge für Studierende und die deutliche Erhöhung der Praxisanteile des universitären Studiums. Der tlv thüringer lehrerverband fordert die bundesweite Anerkennung vergleichbarer pädagogischer Abschlüsse.

 

Die Fortbildung ist praxisbezogener zu gestalten.

 

Es ist ein Weiterbildungsangebot sicherzustellen, das sich an den Bedingungen der Thüringer Schule orientiert.

 

Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter.


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Letzte Änderung: 07.06.2009 RSS    | Seite empfehlen | Druckansicht | pdf-Ansicht | Impressum