11/03 2010:
Lehren und Lernen für die Zukunft

Der Thüringer Lehrerverband (tlv) beriet zum „4. Schloßbergtag“ neue Bildungskonzepte

 

Sonneberg – Der Thüringer Lehrerverband (tlv) feiert 2010 sein 20-jähriges Bestehen. Unter Federführung seines Kreisverbandes vor Ort, des ULV (Unabhängiger Lehrerverband Sonneberg) veranstaltete der tlv in der Spielzeugstadt die 4. Auflage der traditionellen pädagogischen Fachtagung, in Kooperation mit dem Verband Sonderpädagogik

e.V. Thüringen (vds), dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) und der Landeselternvertretung.

„Lehren und Lernen für die Zukunft“ war die große Überschrift des Tages, die eines der aktuellsten Probleme der gegenwärtigen Bildungspraxis und –politik aufgriffen. Damit richtete sich der 4. Schloßbergtag nicht nur an die Lehrpersonen aller Schularten, sondern ebenso an Bildungs- und Kommunalpolitiker, Eltern, Wirtschaft, Kirchen, Gewerkschaften und an alle, denen die weitere Entwicklung der Gesellschaft am Herzen liegt.

 

Ein Wort-Feuerwerk in Form eines Fachvortrages erlebten die über 180 Anwesenden auf dem Schloßberg gleich zur Einstimmung am Vormittag. Den Organisatoren war es gelungen, einen renommierten Erziehungswissenschaftler als Hauptreferenten zu gewinnen – Prof. Dr. Peter Struck von der Universität Hamburg.

Sein Fachvortrag „Ohne Angst verschieden sein können – Schule neu denken und gestalten – Visionen, Risiken, Machbarkeit“ beschäftigte sich mit dem gesellschaftlichen Wandel in dem Bildungs- und Erziehungsbereich und zeigte Möglichkeiten auf, mit weniger Belastung einen zukunftsorientierten Unterricht zu gestalten, der zu mitreißenden Lerneffekten führt – als Erziehungshelfer, Lernberater und Manager für Lern welten.

 

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Forums „Lehren und Lernen für die Zukunft  – 20 Jahre tlv Thüringer Lehrerverband“, das der Mehrdimensionalität des Themas gerecht werden sollte. Indem es Expertinnen und Experten aus Pädagogik, Sozial- und Erziehungswissenschaften, Schulpraxis, Bildungsverwaltung und Politikmiteinander ins Gespräch brachte und damit gleichzeitig 20 Jahre engagiertes Wirken des tlv würdigte. Die kompetente Runde setzte sich aus folgenden Teilnehmern zusammen:

 

Prof. Dr. Roland Merten, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur; Christine Zitzmann, Landrätin des Kreises Sonneberg, Rolf Busch, Landesvorsitzender des tlv Thüringer Lehrerverband, Alexander Grimm, Landeselternsprecher Thüringens, Prof. Dr. Peter Struck, Erziehungswissenschaftler, Universität Hamburg, Gerd Maier, Vorsitzender des ULV Unabhängiger Lehrerverband Sonneberg und der Moderatorin des Gesprächs Susanne Beutel. Die Schulleiterin der Grundschule Schalkau hatte den „Nebenjob“ kurzfristig übernommen und führte souverän durch die Diskussion.

 

Ihre erste Frage nach der Schule der Zukunft richtete Susanne Beutel an den Staatssekretär. Gerecht solle sie sein mit gleichen Bildungschancen und Möglichkeiten für alle Schüler, unabhängig ihrer Herkunft. Auch wenn Thüringen diesbezüglich gut dastehe, so Prof. Merten, gäbe es doch auch noch viel Nachholbedarf. Bereits in seinem Grußwort hatte der Gast aus Erfurt aufmerksam gemacht auf die Thüringer Gemeinschaftsschule als gleichwertige Form. Der Freistaat setze damit einen Akzent in der bundesdeutschen Bildungslandschaft, ganz nach dem Willen der Erziehenden. Immerhin sprachen sich zwei Drittel der Thüringer Eltern für längeres gemeinsames Lernen aus.

 

Rolf Busch verwies auf die vielfältigen Veränderungen, die von den Lehrkräften in der Vergangenheit gemeistert wurden. Aber, so der Landeschef des tlv, um für die Zukunft fit zu bleiben, sei ein Kompetenznetzwerk um die Schulen herum notwendig. Nur so könne gewährleistet werden, dass z.B. auch „schlechten Schülern“ die notwendige Aufmerksamkeit außerhalb des Unterrichts geschenkt werden kann.

 

Wie zufrieden sind die Eltern? Auf die Aussage aus der Runde „Lasst die Lehrer Lehrer sein“ entgegnete Alexander Grimm: Wir als Eltern müssen auch mehrere Rollen ausfüllen. Die Kinder auffangen, ihnen Mut machen, sie aufbauen, damit sie den Schulalltag meistern können. Auch Professor Struck pflichtete dem bei. Es reiche nicht aus, „nur“ die lehrende, die Wissen vermittelnde Position einzunehmen. „Wissen alleine ist nicht mehr das Wichtigste. In Gesprächen mit Verantwortlichen aus führenden Unternehmen kam und kommt deutlich zur Sprache, dass großer Wert auf das „Können“ gelegt wird. Deshalb brauchen wir Zeit für den Aufbau entsprechenden Könnens, so dass ein Lehrer mehr sein muss als nur Lehrer.“

 

Zur Sprache kam in der Runde auch das Thema Entlohnung. Da gibt es, wie von mehreren Seiten bemerkt wurde, noch immer gravierende Unterschiede, nicht nur zwischen den Schulformen, sondern ebenso zwischen den Bereichen Bildung und Erziehung. Thüringens Landeselternsprecher merkte dazu an: „Auch wenn ich jetzt vielleicht einigen Unmut auf mich ziehe –mir ist es egal, was ein Lehrer oder Erzieher verdient. Auch den Schülern ist das egal. Ich möchte, dass mein Kind in der Schule gut aufgehoben ist. Die Thüringer Gemeinschaftsschule ist nach meiner Auffassung ein Konzept, wo individuelle, altersgerechte Förderung stattfindet. Das wünsche ich mir für alle Schulformen. Ich denke, man wird nicht Lehrer, weil man nichts anderes zu tun hat. Sondern aus Überzeugung und weil man Verantwortung übernehmen will.“, so Alexander Grimm.

 

Auf die Frage, wie an den Thüringer Hochschulen Lehrer vielfältiger ausgebildet werden können, richtete Staatssekretär Merten folgendes an die Zuhörer: Sie sind nicht Lehrer für irgendwelche Fächer, sondern für Kinder! Natürlich müsse an einigen Stellen der Ausbildung entrümpelt werden. Der Fokus sollte darauf gelegt werden, auf die spezifischen Erfordernisse zu qualifizieren. Zudem, so Prof. Merten, sind die Lehrpläne in ihrer aktuellen Form nicht mehr notwendig. Fakt sei aber: Länder, die nicht in Bildung investieren, verspielen ihre Zukunft. Deshalb soll in Thüringen der Stellenkorridor erhöht werden.

 

Zum Abschluss des diskussionsfreudigen Nachmittags zog Gerd Maier, Leiter des   Staatlichen Gymnasiums „Hermann Pistor“ Sonneberg Bilanz. Der 4. Schloßbergtag war, so der Vorsitzende des ULV, eine sehr erfolgreiche Veranstaltung mit über 180 Teilnehmern. Das Ganze soll so beibehalten und alle drei bis fünf Jahre ein Schloßbergtag veranstaltet werden.

 

Ein großes Dankeschön ging an Ulrike Gerber und ihre Helfer, die für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Als Resümee der bisherigen Veranstaltungen konstatierte Maier, dass das Unterrichten in Frontalform nicht mehr zeitgemäß ist. Die Lehrer müssten einen guten Mix finden zwischen Frontalunterricht, Gruppenarbeit und „Schüler lernen von Schülern“. Das sei das Ziel einer Zusammenkunft wie der des Schloßbergtages.

alu; 10. März 2010

 



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