Mitglied werden!

Nur wenige Klicks trennen dich von deiner Mitgliedschaft im tlv . Während deines Studiums und Vorbereitungsdienstes ist diese komplett kostenlos – aber auch sonst lohnt es sich.

tlv thüringer lehrerverband
Tschaikowskistr. 22
99096 Erfurt

  • Facebook Icon
  • Instagram Icon
Kind beim Schreiben
Quelle: picjumbo_com / Pixabay

Pressemeldung zum Kitaleitung-Meinungstrend | Übergang von Kita in Schule braucht mehr als guten Willen

Pressemitteilung

tlv thüringer lehrerverband

Erfurt, 13. April 2026

Zwischen Morgenkreis und Matheheft

Übergang von der Kita in die Grundschule braucht auch in Thüringen verbindliche Strukturen und Ressourcen

Der Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule ist ein entscheidender Meilenstein in der Bildungsbiografie von Kindern. Eine aktuelle bundesweite Befragung von mehr als 5.000 Kitaleitungen, vorgestellt im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongresses, zeigt deutlich: Das pädagogische Engagement ist hoch, doch Personal‑ und Zeitmangel verhindern vielerorts einen gut strukturierten Übergang. Der tlv thüringer lehrerverband sieht dringenden Handlungsbedarf – auch und gerade in Thüringen.

„Der Wechsel von der Kita in die Schule darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. Er braucht verlässliche Kooperation, Zeit für Absprachen und stabile Rahmenbedingungen. Gute Übergänge entstehen nicht durch guten Willen allein, sondern durch klare Verantwortlichkeiten und ausreichende Ressourcen“, betont Tim Reukauf, Landesvorsitzender des tlv.

Hohe Belastung der Leitungen – ein systemisches Problem

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass mehr als die Hälfte der Kitaleitungen deutschlandweit mehr Leitungsaufgaben übernimmt, als vertraglich vorgesehen ist. Fast drei Viertel der Leitungen verwenden rund 60 Prozent ihrer Arbeitszeit für Leitungsaufgaben, während nur etwa der Hälfte dieses Zeitkontingent offiziell zugestanden wird. Rund 40 Prozent der Befragten würden ihre Leitungsfunktion nicht (mehr) weiterempfehlen.

„Diese Zahlen stehen exemplarisch für ein System, das nur funktioniert, weil Leitungskräfte dauerhaft über ihre Belastungsgrenzen gehen. Das ist weder nachhaltig noch verantwortungsvoll – und es wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der Zusammenarbeit mit den Grundschulen aus“, so Reukauf.

Personalmangel bremst Qualität – trotz demografischer Chancen im Osten

Zwar berichten Kitaleitungen seltener als noch vor einigen Jahren von einer sich weiter verschlechternden Personalsituation, Entlastung ist jedoch kaum spürbar. Bundesweit geben nur rund 15 Prozent an, dass es einfacher geworden sei, Personal zu gewinnen.

Gerade in Ostdeutschland – auch in Thüringen – eröffnet die demografische Entwicklung zwar perspektivisch Chancen für kleinere Gruppen und bessere Fachkraft‑Kind‑Relationen. In der Praxis werden die wissenschaftlich empfohlenen Standards, insbesondere im U3‑Bereich, jedoch bislang nur selten erreicht.

„Demografische Effekte allein lösen keine Qualitätsprobleme. Sie müssen politisch gestaltet werden – durch Investitionen in Personal, Gesundheitsschutz und verlässliche Strukturen“, stellt Reukauf klar.

Übergang Kita–Grundschule: pädagogischer Wille ist da, Strukturen fehlen

Als wichtigste Schwerpunkte für einen erfolgreichen Übergang benennen Kitaleitungen vor allem sozial‑emotionale Kompetenzen wie Kooperationsfähigkeit, Selbstregulation und Empathie sowie sprachliche Bildung. Diese Einschätzung teilt der tlv ausdrücklich.

Die konkrete Ausgestaltung des Übergangs erfolgt meist über Kooperationen mit Grundschulen, alltagsintegrierte Förderung und projektorientiertes Arbeiten. Allerdings arbeitet ein Großteil der Kitas nur ein‑ bis zweimal jährlich mit den Schulen zusammen. Regelmäßige, mindestens monatliche Kooperationen sind die Ausnahme.

„Auch Thüringer Grundschulen berichten uns, dass Austausch häufig auf Einzelfälle beschränkt bleibt – nicht aus mangelndem Interesse, sondern aus Zeitnot. Wenn schulische und frühkindliche Bildung als zusammengehörig gedacht werden sollen, braucht Zusammenarbeit einen festen Platz im Arbeitsalltag“, so Reukauf.

Partizipation beginnt früh – braucht aber Verbindlichkeit

Positiv bewertet der tlv, dass Kinder beim Übergang zunehmend beteiligt werden. Doch echte, kontinuierliche Partizipation ist weiterhin selten. Oft bleibt es bei punktueller Einbindung in Einzelprojekten. Ähnlich zeigt sich das Bild bei der Beteiligung der Eltern: informiert ja – mitgestaltend eher selten.

„Demokratische Bildung beginnt nicht erst in der Schule. Kinder und Eltern müssen ernsthaft beteiligt werden können. Dafür braucht es Zeit, qualifiziertes Personal und klare Konzepte“, unterstreicht Reukauf.

Forderungen des tlv thüringer lehrerverbandes

Aus den Ergebnissen leitet der tlv klare Forderungen an Landes‑ und Bundespolitik ab:

  • Verbindliche Kooperation zwischen Kita und Grundschule durch feste Zeitkontingente und klare Zuständigkeiten.
  • Absicherung der Leitungszeit in Kitas entsprechend der tatsächlichen Aufgaben.
  • Verbesserung der Personal‑ und Arbeitsbedingungen, einschließlich verlässlicher Personalschlüssel und systematischem Gesundheitsschutz.
  • Stärkere Verankerung von Partizipation von Kindern und Eltern in Bildungsplänen und Qualitätsvorgaben.

„Ein guter Übergang ist kein Zusatzangebot, sondern ein zentraler Bestandteil gelingender Bildung. Wer Chancengleichheit ernst meint, muss hier investieren“, fasst Reukauf zusammen.

Pressekontakt:
Landesvorsitzender Tim Reukauf
presse@tlv.de
0361 30 25 26 31

Das könnte Euch auch interessieren

  • Zur Kategorie dieses Betrages gibt es keine weiteren Beiträge.