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Sonderzuschläge auf den Prüfstand stellen – statt Wirkung nur zu vermuten

Lehrerverband fordert ehrliche Bilanz zur Lehrkräftegewinnung und mehr Wertschätzung für erfahrene Kolleginnen und Kollegen
Erfurt, 20.08.2026
Der tlv thüringer lehrerverband fordert eine kritische Überprüfung der Sonderzuschläge zur Personalgewinnung für Lehrkräfte. Anlass ist der aktuelle Bericht des Thüringer Bildungsministeriums zur Anwendung des Instruments im Jahr 2025. Zwar wurden 241 Sonderzuschläge gewährt, gleichzeitig räumt das Ministerium jedoch selbst ein, dass nach inzwischen drei Jahren Laufzeit kaum belastbare Aussagen über die tatsächliche Lenkungswirkung der Maßnahme möglich sind.
„Wenn der Freistaat Millionenbeträge für ein Instrument bereitstellt, dann muss auch nachweisbar sein, welchen Nutzen dieses Instrument tatsächlich bringt“, erklärt Tim Reukauf, Landesvorsitzender des tlv thüringer lehrerverband. „Der Bericht macht deutlich, dass die Landesregierung selbst nicht sagen kann, welche konkreten Effekte die Sonderzuschläge auf die Gewinnung von Lehrkräften haben. Das ist für uns unbefriedigend.“
Besonders kritisch bewertet der tlv, dass der Freistaat regelmäßig auf fehlende finanzielle Spielräume verweist, wenn es um die Verbesserung von Arbeitsbedingungen an Schulen geht. Gleichzeitig wird ein Förderinstrument fortgeführt, dessen tatsächlicher Erfolg bislang nicht belegt werden kann.
„Lehrkräfte hören seit Jahren, dass für Entlastungen, zusätzliche Unterstützungssysteme, multiprofessionelle Teams oder echte Maßnahmen gegen die Überlastung angeblich kein Geld vorhanden ist. Umso mehr stellt sich die Frage, warum Programme über Jahre fortgeführt werden, ohne dass deren Wirksamkeit eindeutig nachgewiesen werden kann“, so Reukauf.
Der Verband sieht darüber hinaus ein weiteres Problem, das im Bericht nicht auftaucht, in den Lehrerzimmern jedoch regelmäßig diskutiert wird: Die Sonderzuschläge sorgen vielerorts für Unmut unter den Beschäftigten.
„Viele Kolleginnen und Kollegen empfinden es als ungerecht, dass neu eingestellte Lehrkräfte einen finanziellen Zuschlag erhalten, während diejenigen, die seit Jahren unter schwierigen Bedingungen die Unterrichtsversorgung absichern, keinerlei zusätzliche Anerkennung erfahren“, sagt Reukauf. „Wer dauerhaft Personal halten will, muss nicht nur neue Lehrkräfte gewinnen, sondern auch die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen wertschätzen, die das System seit Jahren tragen.“
Aus Sicht des tlv zeigt der Bericht vor allem eines: Der Lehrkräftemangel lässt sich nicht durch finanzielle Anreize allein beheben. Die Entscheidung für einen Schulstandort oder für den Verbleib im Lehrerberuf hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören attraktive Arbeitsbedingungen, ein spürbarer Bürokratieabbau, eine verlässliche personelle Ausstattung, ausreichend Zeit für pädagogische Arbeit sowie eine deutliche Entlastung der Lehrkräfte.
Der tlv fordert deshalb eine umfassende Personalstrategie für Thüringens Schulen. Dazu gehört auch eine regelmäßige und transparente Evaluation aller Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung.
„Nicht die Höhe einzelner Zuschläge entscheidet langfristig über die Attraktivität des Lehrerberufs. Entscheidend ist, ob Lehrkräfte ihren Beruf unter guten Bedingungen ausüben können. Genau hier muss die Landesregierung ihre Anstrengungen verstärken“, betont Reukauf.
Der aktuelle Bericht sollte deshalb nicht als Bestätigung, sondern als Auftrag verstanden werden: Thüringen braucht eine Bildungspolitik, die ihre Maßnahmen nicht nur finanziert, sondern deren Erfolg auch nachweisen kann. Gleichzeitig dürfen die Lehrkräfte, die seit Jahren die Hauptlast des Personalmangels tragen, nicht länger das Gefühl haben, gegenüber Neueinstellungen benachteiligt zu werden.
Pressekontakt:
tlv thüringer lehrerverband
Tim Reukauf
Landesvorsitzender
0361 – 30 25 26 31

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