Der tlv thüringer lehrerverband zeigt sich angesichts der heute veröffentlichten Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers Schüler 2025/26 äußerst besorgt. Die bundesweite Studie der Robert Bosch Stiftung belegt eine deutliche Zunahme psychischer Belastungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien.
„Diese Ergebnisse dürfen niemanden überraschen – und sie dürfen vor allem nicht folgenlos bleiben“, erklärt Tim Reukauf, Landesvorsitzender des tlv. „Auch in Thüringen sehen wir täglich, wie stark Armut und fehlende Unterstützungssysteme den Bildungserfolg gefährden. Die Politik darf diese Realität nicht länger ignorieren.“
Wohlbefinden ist Grundvoraussetzung für Lern- und Bildungserfolg
Die Studie zeigt deutlich: Lernleistung und Wohlbefinden stehen nicht im Widerspruch. Eine gute Unterrichtsqualität, ein positives Klassenklima und echte Möglichkeiten zur Mitbestimmung stärken das schulische Wohlbefinden maßgeblich.
Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Diskrepanz:
Während Schülerinnen und Schüler sich wesentlich mehr Partizipationsmöglichkeiten wünschen, schätzen Lehrkräfte die bestehenden Angebote häufig als ausreichend ein – ein Befund, der bereits durch frühere Befragungen unter Lehrkräften bestätigt wurde.
Reukauf betont: „Demokratiebildung funktioniert nicht durch Belehrung, sondern durch Beteiligung. Doch echte Partizipation kostet Zeit – und genau diese Zeit fehlt Lehrkräften in Thüringen systematisch. Volle Lehrpläne, hoher Leistungsdruck und massive Personallücken lassen kaum Raum für pädagogisches Miteinander. Das ist nicht die Schuld der Lehrkräfte, sondern Ergebnis politischer Versäumnisse.“
Thüringens Schulen brauchen endlich mehr Zeit, Personal und Professionalisierung
Wie bereits vom Dachverband VBE auf Bundesebene gefordert, sieht auch der tlv akuten Handlungsbedarf in der Aus- und Fortbildung:
Damit wissenschaftlich belegte Faktoren wie kognitive Aktivierung, konstruktive Unterstützung und wirksame Klassenführung an Thüringer Schulen Wirkung entfalten können, müssen sie in allen Phasen der Lehrkräftebildung verbindlich verankert werden.
Für Thüringen bedeutet das konkret:
- 1.) Mehr Zeit für Schulentwicklung statt Dauerfeuer an Bürokratie
- 2.) Verlässliche Entlastung der Kollegien, um Fortbildungen überhaupt wahrnehmen zu können
- 3.) Deutlicher Ausbau schulpsychologischer und sozialpädagogischer Unterstützungssysteme
- 4.) Sonderförderprogramme für Schulen mit hohem Armutsanteil
„Man kann nicht immer neue Aufgaben auf die Schulen abladen und gleichzeitig erwarten, dass Lehrkräfte all das aus eigener Kraft kompensieren“, so Reukauf.
tlv fordert Bildungsministerium erneut zum Handeln auf
Der tlv appelliert eindringlich an das Thüringer Bildungsministerium, die Ergebnisse der Studie ernst zu nehmen und strukturelle Maßnahmen einzuleiten, statt die Verantwortung an Schulen und Lehrkräfte abzuschieben.
„Wir brauchen keine neuen Pilotprojekte und keine Ankündigungspolitik“, erklärt Reukauf. „Wir brauchen Entscheidungen. Wir brauchen Personal. Wir brauchen Zeit. Und wir brauchen eine Politik, die Schulen endlich so ausstattet, dass sie ihren Bildungsauftrag erfüllen können.“






