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tlv thüringer lehrerverband
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verschiedene Smileys auf Papier
Quelle: Tumisu / Pixabay

PISA-Ergebnisse sind alarmierend, aber nicht überraschend

Die aktuellen Ergebnisse der PISA-Studie sind alarmierend. Dass deutsche Schülerinnen und Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht abschneiden wie nie zuvor, darf niemanden kaltlassen.

 

Für den tlv thüringer lehrerverband kommen diese Ergebnisse jedoch nicht überraschend. Seit vielen Jahren weisen wir darauf hin, dass fehlendes Personal, wachsende soziale Ungleichheiten, zunehmende Belastungen der Schulen und unzureichende Unterstützungssysteme zwangsläufig Auswirkungen auf die Bildungsqualität haben werden. Lehrkräfte erleben diese Entwicklung täglich in ihren Klassenzimmern. Die nun veröffentlichten Daten machen sichtbar, worauf der tlv seit Jahren aufmerksam macht und was viele Schulen bereits seit langer Zeit spüren.

Bundesbildungsministerin Karin Prien bezeichnet die Ergebnisse als „besorgniserregend“ und erklärt zugleich, dass sie nicht überraschend seien. Genau hier stellt sich aus Sicht des tlv die entscheidende Frage: Wenn die Probleme seit Jahren bekannt sind, warum wurden die notwendigen Konsequenzen nicht mit der erforderlichen Entschlossenheit gezogen? Wer als Bundesbildungsministerin feststellt, dass die Befunde bekannt waren, darf sich nicht auf die Rolle der Beobachterin beschränken. Die Aufgabe politischer Verantwortungsträger besteht darin, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

 

Besonders besorgniserregend ist die Feststellung der Ministerin, dass das Aufstiegsversprechen unseres Bildungssystems derzeit nicht funktioniert. Dieser Einschätzung können wir uns anschließen. Seit Jahren zeigt sich, dass die soziale Herkunft in Deutschland weiterhin erheblichen Einfluss auf den Bildungserfolg hat. Kinder aus sozial benachteiligten Familien starten noch immer mit deutlich schwierigeren Voraussetzungen in ihre Bildungsbiografie. Der aktuelle Bildungsbericht bestätigt erneut, dass Bildungschancen in Deutschland nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängen.

 

Für den tlv ist deshalb klar: Die eigentliche Herausforderung besteht nicht allein darin, die schlechten Testergebnisse zu beklagen. Entscheidend ist, die Ursachen endlich konsequent anzugehen. Dazu gehören eine deutlich stärkere Förderung der Sprachbildung bereits vor der Einschulung, eine bessere personelle Ausstattung der Schulen, kleinere Lerngruppen dort, wo besondere Herausforderungen bestehen, sowie eine gezielte Unterstützung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Wer Chancengerechtigkeit ernst meint, muss dort investieren, wo die Bildungsungleichheit entsteht.

 

Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen zudem, dass sowohl die leistungsschwächeren als auch die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler schlechter abschneiden als in der Vergangenheit. Auch diese Entwicklung hat Karin Prien zu Recht angesprochen. Sie verdeutlicht, dass das Problem inzwischen die gesamte Leistungsbreite betrifft. Es geht längst nicht mehr nur um einzelne Risikogruppen, sondern um die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems insgesamt.

 

Als tlv thüringer lehrerverband erwarten wir daher von der Bundespolitik mehr als die Beschreibung des Problems. Notwendig sind konkrete Maßnahmen, langfristige Investitionen und vor allem Verlässlichkeit für Schulen und Lehrkräfte. Bildungspolitik braucht einen langen Atem. Wer heute über den Fachkräftemangel von morgen spricht, muss heute in Bildung investieren.

 

Die Lehrkräfte leisten täglich Außergewöhnliches. Sie können aber gesellschaftliche Probleme nicht allein lösen. Wenn die soziale Schere weiter auseinandergeht und immer mehr Kinder mit schwierigen Startbedingungen in die Schulen kommen, braucht es einen starken Staat, der Bildung tatsächlich zur Priorität macht.

 

Bereits zu Beginn der Amtszeit von thüringens Bildungsminister Christian Tischner hat der tlv thüringer lehrerverband der Landesregierung ein Hausaufgabenheft mit konkreten bildungspolitischen Maßnahmen übergeben. Unser Ziel war es, die Erfahrungen der Lehrkräfte direkt in politische Entscheidungen einfließen zu lassen. Heute müssen wir feststellen: Von den zahlreichen Vorschlägen wurde bislang lediglich eine einzige Hausaufgabe erledigt. Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen jedoch, dass wir keine Zeit mehr für Symbolpolitik haben. Wenn die Probleme bekannt sind, müssen die Lösungen endlich umgesetzt werden. Bildungsqualität entsteht nicht durch Analysen allein, sondern durch entschlossenes Handeln.

 

Die PISA-Ergebnisse sind deshalb nicht nur ein Weckruf für die Schulen, sondern vor allem ein Weckruf für die Politik. Wer seit Jahren weiß, dass sich die Entwicklung verschlechtert, muss sich heute auch fragen lassen, warum nicht früher und entschlossener gehandelt wurde. Die Schülerinnen und Schüler unseres Landes dürfen nicht die Leidtragenden politischer Versäumnisse sein.

 

Tim Reukauf, Landesvorsitzender des tlv thüringer lehrerverband: „Deutschland leidet nicht an einem Erkenntnisproblem, sondern an einem Umsetzungsproblem. Die Ursachen für die schwachen Bildungsleistungen sind seit Jahren bekannt. Was fehlt, ist der politische Wille, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Wenn selbst die schlechtesten PISA-Ergebnisse aller Zeiten nicht ausreichen, um Bildung zur Priorität zu machen, dann verspielen wir die Zukunftschancen einer ganzen Generation.“

 

Pressekontakt:
tlv thüringer lehrerverband
Landesvorsitzender Tim Reukauf
t. reukauf@tlv.de
0361 30 25 26 31

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